6. Sten Nadolny – Die Entdeckung der Langsamkeit (1983)

Foto: Tamara Draisbach

Ausgabe: Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit. München, 1983, 2017. (Piper Verlag, 54., mit einem Nachwort versehene Auflage)

Anzahl der Seiten: 355

Kurze Zusammenfassung (Achtung, Spoiler!):

„Die Entdeckung der Langsamkeit“ erzählt die Lebensgeschichte des englischen Seefahrers John Franklin. Diese ist zu einem großen Teil an die Biografie des realen Vorbildes angelehnt, teilweise aber auch fiktiv. Vor allem der Charakter des Protagonisten, welcher in seinem Denken und Handeln vermeintlich langsamer ist, als andere, ist eine Erfindung des Autors. 

Das Werk ist in drei Teile aufgeteilt. Erzählt wird chronologisch zuerst von John Franklins Kindheit und Jugend, anschließend von seinen Erfahrungen in der Kriegsmarine und zuletzt von seinem Leben als Offizier und Entdecker. 

John Franklin wird bereits in seiner Kindheit im kleinen englischen Dorf Spilsby für seine Langsamkeit verspottet. Er beschließt schon früh, zur See zu fahren und verliert diesen Wunsch nicht aus den Augen. Nach der Schule kann er endlich seinen Traum weiter verfolgen und schließt sich der Kriegsmarine an, wo er bei Kopenhagen seine erste Schlacht erlebt. Auch der Krieg zwischen England und Frankreich wird mehrmals thematisiert.

Es folgen weitere Reisen zum Kap der guten Hoffnung, nach Australien und Asien. Nach Kriegsende kehrt John zurück nach Hause wo er Schwierigkeiten hat, Arbeit zu finden. Allerdings hat er schon länger den Wunsch, die Nordwestpassage zu finden und reist schon bald zum ersten Mal als Kommandant zum Nordpol. Ohne Erfolg. 

Die nächste Reise führt ihn nach Kanada als Befehlshaber einer Expedition. Hier verbringt er mit seiner Truppe einige Zeit bei einem Indianerstamm und später bei einem Inuitvolk. Die Expedition gestaltet sich jedoch zunehmend schwierig – es gibt nichts zu essen und die bittere Kälte setzt den Männern zu. Einige kehren nicht mehr lebend zurück. John Franklin verarbeitet die Erlebnisse der Reise in einem Buch, was ihm zu großem Ruhm und öffentlichem Interesse verhilft. Außerdem heiratet er und wird bald darauf Vater. Seine Frau stirbt jedoch recht früh, während seiner zweiten Kanadareise und er heiratet deren Freundin. Die beiden reisen zur Kolonie Van Diemens Land in Australien, wo John Franklin als Gouverneur eingesetzt wird. Hierbei ergeben sich jedoch diverse Probleme, weshalb er bald wieder abberufen wird und nach London zurückkehrt.

Schließlich tritt er seine letzte Reise an, wieder mit dem Ziel, die Nordwestpassage zu finden. Dabei erleidet er zwei Schlaganfälle, die ihn das Leben kosten und auch der Rest der Mannschaft lässt sein Leben bei der Reise. Als die Schiffe nicht zurückkehren, setzt John Franklins Witwe alles daran, um aufzuklären, wo die Schiffe sind und was passiert ist, wobei sie viele Anhänger rekrutieren kann und für ihr Engagement bei der Suche nach ihrem Mann sehr viel Ruhm erntet.

Leseeindrücke:

Ich bin immer ein großer Fan von Biografien und anderen Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Die Lebensgeschichte des Seefahrers John Franklin ist definitiv ein dankbares Thema und eignet sich sehr gut für eine Umsetzung als Roman. Die Liebe und Faszination des Autors Sten Nadolny für sein Erzählsubjekt, von der er im Nachwort des Romans berichtet, werden eindeutig erkennbar beim Lesen. 

Der Protagonist erscheint in jeder Situation sympathisch und nahbar. Es ist genau diese, seine ,,Schwäche“, die ihn so erscheinen lässt und es ist berührend zu lesen, wie das vermeintliche Handicap seiner größten Stärke wird. Die Langsamkeit John Franklins, die ihn in vielerlei Hinsicht benachteiligt erscheinen lässt und seinem Umfeld Anlass für Hänseleien gibt, ist es, die ihn zu dem erfolgreichen Seefahrer, Anführer und Entdecker macht, der er ist. Er ist anders, als alle anderen und gerade das bringt ihn im Leben so weit. In diesem Punkt hat mich das Buch oft an den Film ,,Forrest Gump“ erinnert. Beide Biografien (fiktiv oder nicht) zeigen einen Protagonisten, der durch sein Anderssein auffällt und dessen Schwächen schließlich zu seinen Stärken werden. 

Es zog ihn zum Pol, unbedingt, aber nicht, weil er von dort her alles neu anfangen wollte. Es hatte ja schon angefangen! Das Ziel war wichtig gewesen, um den Weg zu erreichen. Den hatte er nun, auf dem ging er, und der Pol wurde wieder zum geographischen Begriff. Er hatte nur die Sehnsucht, unterwegs zu bleiben, genau wie jetzt, auf Entdeckungsreise, bis das Leben vorbei war.

Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit, S.197

Geduld, Beharrlichkeit und überlegtes Handeln sind es hier, die mehr bewirken, als Schnelligkeit und Impulsivität. Eine sehr schöne Moral, wie ich finde. Denn nicht nur den Menschen in John Franklins Umfeld fehlt diese Langsamkeit, auch die Welt scheint sich schneller zu drehen. Alles wird hektischer im London zur Zeit der Industrialisierung. Technischer Fortschritt, höher, schneller, weiter… auch dies wird im Buch thematisiert und ist problemlos auch auf die heutige Zeit übertragbar. Insofern ist „Die Entdeckung der Langsamkeit“ etwas, was auch uns Lesern manchmal nicht schaden würde. 

Die Geschichte ist nicht nur aufgrund ihrer Nähe zur realen Biografie John Franklins äußerst informativ, sondern auch in Bezug auf die Seefahrt, die Geografie und die Lebensweise der Zeit, in der sie spielt. Informativ und sehr gut recherchiert. Es kommen zudem viele Personen vor, die es wirklich gegeben hat. 

Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir das Lesen nicht immer leicht fiel, auch wenn Thema und Geschichte an sich interessant sind. Ich bin ziemlich oft abgedriftet und musste mich motivieren, dran zu bleiben. Die distanzierte, recht nüchterne Schreibweise ist zwar auch insofern positiv, dass nicht nur John Franklins Sicht dargelegt wird, aber sie erleichtert das Lesen nicht unbedingt. Es gibt definitiv spannende Stellen im Buch, aber man muss Geduld mitbringen. Für mich war jedenfalls der fesselndste Teil die erste Expedition nach Kanada.

Das Ende selbst ist etwas düster, aber auch noch einmal ergreifend, wenn Johns Witwe alles in Bewegung setzt, um ihn und die restliche Besatzung zu finden. Hierin steckt für mich auch ein feministischer Aspekt, bei ansonsten sehr viel männlichen Akteuren. 

Passend zu Halloween lese ich derzeit Bram Stokers ,,Dracula“, wovon der nächste Post handeln wird. 

Welche Biografien findet ihr am Spannendsten? Welche berühmten Persönlichkeiten haben euch inspiriert oder geprägt?

6 von 150 Büchern ✓

5. Émile Zola – Nana (1880)

Foto: Tamara Draisbach

Ausgabe: Émile Zola: Nana. Frankfurt am Main, 2009. (Fischer Verlag, ungekürzte Ausgabe)

Anzahl der Seiten: 464

Kurze Zusammenfassung:

Der französische Schriftsteller Émile Zola wird der literarischen Strömung des Naturalismus zugerechnet. Ziel der Naturalisten war es, die Zeit in der sie lebten möglichst genau und ungeschönt darzustellen. Dabei gingen sie vor wie Naturwissenschaftler, welche die wahrnehmbare Wirklichkeit exakt wiedergeben, ohne poetische Verklärung oder subjektive Eindrücke. Hinzu kam der Glaube, dass die zeitliche Epoche und das Milieu in denen ein Mensch lebt, dessen Charakter und Lebensweg vorherbestimmten.* In „Nana“ ging es Émile Zola wohl darum, zum einen die französische Gesellschaft des zweiten Kaiserreiches zu porträtieren und zum anderen deren Verfall durch das freizügige und dekadente Verhalten der oberen Gesellschaftsschicht zu zeigen.**

Die Protagonistin Nana, eine attraktive Frau in der Blüte ihrer Jahre, startet ihre „Karriere“ als Prostituierte, bevor sie zu Beginn des Romans die Venus in einer Pariser Oper verkörpert. Absolut talentfrei, aber dafür splitterfasernackt, schafft sie es, die Aufmerksamkeit der wohlhabenden Oberschicht zu erregen und einige Bewunderer für sich zu gewinnen. Im weiteren Verlauf des Romans gelingt es ihr, immer weiter aufzusteigen und durch die finanziellen Gaben ihrer reichen Freier in Luxus und Dekadenz zu schwelgen. Nana versteht es, die Männer zu manipulieren, was diese nach und nach ins Unglück stürzt. Im Verlauf der 464 Seiten wird dies in naturalistischer Manier dann auch äußerst detaillgenau beschrieben.

Leseeindrücke:

Es ist schwierig, den Inhalt dieses Buches in ein paar Sätzen wiederzugeben, denn es gibt so viele Charaktere und Binnenereignisse und dabei wenig Höhepunkte. Tatsächlich fiel es mir wahnsinnig schwer, am „Ball zu bleiben“, weshalb ich auch fast vier Monate gebraucht habe, um den Roman ganz durchzulesen. Zwischendrin habe ich mich immer wieder gefragt, wozu diese ganzen langwierigen Beschreibungen von Personen und Ereignissen eigentlich gut sind und welchem übergeordneten Handlungsstrang das Ganze folgt. Ein System oder ein roter Faden ist nur schwer auszumachen. Wie bereits erwähnt, ging es Zola ja auch mehr um ein akkurates Porträt der Gesellschaft seiner Zeit und nicht um den größten Spannungsbogen oder die unterhaltsamste Lektüre.

Es war Venus, die den Fluten entstieg und keine andere Hülle hatte, als ihr Haar. Niemand klatschte, niemand lachte. Die Gesichter der Männer verlängerten sich und wurden ernst. Die Nase zog sich zusammen, der Mund bebte, die Lippen wurden trocken. Ein leiser Lufthauch, eine dumpfe Drohung enthaltend, schien über die Versammlung zu gehen. In dem gutmütigen Ding, das man in Nana bisher gesehen, richtete plötzlich das Weib sich auf. Das Weib, das Unruhe verursacht, die Torheit für sein Geschlecht, das Unbekannte der Begierde, erweckend. Nana lächelte noch immer, aber es war das grausame Lächeln des Weibes, das Männer vertilgt.

Zola: Nana.

Auch wenn die Erzählungen und die Darstellung der Pariser Oberschicht durchaus interessant und Zolas Schreibstil sehr gut sind – eine verdichtetere Wiedergabe des Geschehens hätte dem Text aus heutiger Sicht sehr viel mehr Reiz gegeben. Schließlich ist das Thema ja absolut pikant, auch aus aktueller Sicht: Eine Prostituierte aus der unteren Schicht der Gesellschaft verschafft sich durch ihre sexuellen Reize Eintritt in die High-Society, wo sie einen Mann nach dem anderen in den Ruin treibt. Zola zeigt uns eine Femme fatale, eine Gold-Diggerin, eine junge Frau, für die alles nur ein Spiel zu sein scheint. Doch nicht nur die Frau wird hier negativ dargestellt, kritisiert wird ganz allgemein die sexuelle Freizügigkeit und der grenzenlose Exzess der oberen Gesellschaftsschicht. Auch die Männer, die sich hier von Wolllust und Trieben geleitet lächerlich machen, ob Graf oder Bankier, erscheinen in keinem guten Licht.

„Nana“ war eine zugegeben etwas langwierige Lektüre, mit interessanten Beschreibungen und Einblicken. Ich könnte mir vorstellen, dass das Werk auf seine Zeitgenossen anders gewirkt hat, als auf den heutigen Leser. Auf jeden Fall muss man Geduld mitbringen und ein Freund von langen Beschreibungen sein.

Ich lese momentan Sten Nadolnys „Die Entdeckung der Langsamkeit„, wovon dann auch der nächste Blogbeitrag handeln wird. Diesmal hoffentlich nicht erst in vier Monaten 😉

Für welches Buch habt ihr am längsten gebraucht und wieso? Legt ihr Bücher sofort zur Seite, die euch nicht gleich fesseln oder lest ihr sie trotzdem zu Ende?

5 von 150 Büchern ✓

*Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalismus_(Literatur) (Letzter Zugriff 28.08.2020)

**Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nana_(Roman) (Zugriff am 28.08.2020)

4. Paulo Coelho – Der Alchimist (1988)

Foto: Tamara Draisbach

Ausgabe: Paulo Coelho: Der Alchimist. Zürich, 1996.

Anzahl der Seiten: 122

Kurz zur Handlung:

Ein junger Mann namens Santiago lebt sein bescheidenes aber sicheres Dasein als Hirte in Andalusien. Er liebt seine Schafe und ist froh, durch seine Tätigkeit viele Orte bereisen zu können. Doch er hat einen Traum, der immer wiederkehrt und ihm keine Ruhe lässt. Er träumt von den Pyramiden und einem Schatz, der dort auf ihn wartet. Nach einem Gespräch mit einer Zigeunerin und einem Zusammentreffen mit einem mysteriösen weisen König beschließt er, seine Herde zu verkaufen und nach Afrika zu reisen, um seinen Schatz zu suchen. Der Weg dorthin ist voller Begegnungen, Tücken, Erfahrungen und Lektionen, die Santiago seinem persönlichen Lebensweg und schließlich dem Schatz näher bringen. 

Leseeindrücke:

„Der Alchimist“ ist einfach in Aufbau und Sprache. Es gibt kurze, nummerierte Kapitel, die Sprache des Erzählers ist klar, verzichtet auf komplizierte Ausdrücke und verworrene Satzkonstruktionen. Auf mich wirkte das fast schon etwas zu simpel, ich vermute aber, dass diese Schreibweise in der Originalsprache portugiesisch sehr viel poetischer wirkt. Auch von der Seitenzahl her ist das Buch sehr überschaubar. Für mich hat sich das Lesen dennoch ziemlich in die Länge gezogen. Mir fehlte die nötige Spannung und Abwechslung, um wirklich dran zu bleiben. Ich habe das Buch nicht „verschlungen“, sondern musste mich teilweise eher zwingen.

Nichtsdestotrotz hat die Geschichte einen gewissen Zauber. Sie erinnert fast an ein Märchen und nimmt den Leser mit in ferne Welten. Vom kleinen Andalusien und der Wüstenlandschaft Afrikas, zu einer großen Oase und den Pyramiden – und schließlich wieder zurück an den Ursprung der Reise. 

,,Ich wusste ja gar nicht, daß Hirten lesen können“, bemerkte eine weibliche Stimme an seiner Seite. Sie war mit ihren langen schwarzen Haaren und den Augen, die vage an die maurischen Eroberer erinnerten, ein typisches Mädchen Andalusiens. ,,Weil Schafe mehr lehren können, als Bücher“, erwiderte der Jüngling.

Coelho: Der Alchimist. S.11.

Dem Ganzen liegt eine gewisse „Der Weg ist das Ziel“-Philosophie zugrunde, in der sich wahrscheinlich jeder widererkennt, der das Reisen liebt. Generell ist das Werk ein wahrer Schmelztiegel an spirituellen Weisheiten, ein Lebensratgeber, der den Leser in seinem persönlichen Lebensweg ermutigen soll. Es geht um Entscheidungsfindung, Loslassen, der Suche nach dem persönlichen Glück, Vertrauen auf Gott und sich selbst… Mir persönlich war das manchmal zu viel, aber es kommt sicher auch darauf an, wie empfänglich man gerade für solche spirituellen Weisheiten ist. Leuten in einer Lebenskrise kann die Geschichte sicher eine hilfreiche und beruhigende Lektüre und vielleicht sogar Inspiration sein. Auch als Vorlesebuch könnte ich mir „Der Alchimist“ durch seine kurzen Kapitel und den Märchencharakter sehr gut vorstellen. Man sollte nur keine intellektuellen Hochgenüsse erwarten.

Das Buch erfreut sich jedenfalls großer Beliebtheit – in anderen Ländern noch mehr als in Deutschland (was vielleicht wirklich an der Sprache liegt?) und ist eines der bestverkauften Bücher des brasilianischen Autors. Meinen persönlichen Geschmack hat es leider nicht getroffen – zu vereinfacht, zu viele aneinandergereihte Weisheiten, zu naiv – aber das ist eben Geschmackssache.

Weiter geht es im nächsten Post mit „Nana“ von Emile Zola, das uns in das Paris des 19. Jahrhunderts führt.

Wie steht ihr zu dem Werk „Der Alchimist“? Habt ihr daraus etwas für euren Lebensweg mitnehmen können? Kennt ihr andere Romane von Paulo Coelho, die ihr empfehlen würdet?

4 von 150 Büchern ✓

2. Martin Suter – Der Koch (2010)

Foto: Tamara Draisbach

Ausgabe: Martin Suter: Der Koch. Zürich, 2011 (Erstausgabe als Taschenbuch).

Anzahl der Seiten: 309 (291 ohne die Rezepte)

Warum ich dieses Buch lesen wollte:

Ich habe vor ein paar Jahren „Die dunkle Seite des Mondes“ gelesen und bin seitdem ein Fan von Suters Geschichten. „Der Teufel von Mailand“ und „Lila, lila“ habe ich ebenso verschlungen und mir als nächstes „Der Koch“ vorgenommen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich den Roman einmal angefangen und nicht zu Ende gelesen habe. Das wollte ich nun nachholen.

Kurze Zusammenfassung:

Der tamilische Asylbewerber Maravan fristet in der Schweiz ein unbefriedigendes Dasein als Koch eines Sternerestaurants. Allerdings ist er hier nur „Mädchen für alles“ und muss sein wahres kulinarisches Talent in seiner kleinen Wohnung ausüben. Das ändert sich, als er seinen Job verliert und mit seiner ehemaligen Kollegin Andrea eine Art erotisches Catering für wohlhabende Paare und später auch Escortservices anbietet. Die besonderen ayurvedischen Rezepte, die bei den Kunden ungeahnte Lüste entfachen, hat er von seiner Großtante Nangay erlernt. Wie der Rest von Maravans Familie ist diese noch in seiner Heimat Sri Lanka, in der Krieg herrscht. Und es kommen mehr Probleme hinzu. Nangay ist schwer krank, Maravans Cousin verschwindet spurlos, die Lage verschlechtert sich und Maravan braucht Geld, um der Familie zu helfen. Er ahnt noch nicht, dass einige seiner Kunden in den Krieg verwickelt sind…

Leseeindrücke:

Tatsächlich sind die Zusammenhänge zwischen den Handlungssträngen beim Lesen lange Zeit ein Rätsel. Keine Sorge, es löst sich alles auf und das Ende hält auch, was es verspricht. Da lohnt es sich auch, die längeren Durststrecken beim Lesen auszuhalten. Denn die Handlung läuft sehr langsam an und der Spannungsbogen knickt zwischendurch öfter mal ein. Dafür erhält man interessante Eindrücke von ayurvedischer Molekularküche, der prekären Lage tamilischer Asylanten in der Schweiz, dem Krieg in ihrer Heimat und den kulturellen Differenzen, aber auch der Welt schwerreicher Wirtschaftsmagnaten und deren versteckten Machenschaften.

Um diese kleinen Eis-Sphären standen Gel-Zylinder in einem anderen Gelb, durch die im Kerzenlicht gelborange-farbene Safranfäden durchschimmerten. Im Mund entfaltete sie sich zu einer weiteren Belohnung für den Mut, in die eisigen Schwefelbrocken gebissen zu haben. ,,Das hast du erfunden?“

Suter: Der Koch. S.49-50.

Suter beschreibt wie immer präzise und gut recherchiert, aber gleichzeitig hält er die Distanz zwischen Erzähler und Figuren aufrecht. Der Erzähler ist ein neutraler Beobachter, er sympathisiert nicht mit bestimmten Charakteren oder beeinflusst den Leser dazu. Trotzdem gibt er einen intensiven Einblick in deren Gewohnheiten und Denkweisen und dem Leser die Möglichkeit, ihre Handlungen selbst zu beurteilen. Und fragwürdige Handlungen, moralische Dilemmata, die gibt es in dieser Erzählung.

Die neutrale Distanz zu den Charakteren macht es einem allerdings auch manchmal schwer, wirklich mitgerissen zu werden. Wie schon gesagt, gibt es ein paar Durststrecken in der Erzählung – vermutlich auch der Grund, weshalb ich sie beim ersten Anlauf nicht weiter gelesen habe. Wären nicht hin und wieder die kleinen Vorausdeutungen und der geschickte Wechsel zwischen den Handlungssträngen, wäre es schwierig geworden, das Buch zu Ende zu lesen. Was schade ist, da es zum Ende hin wirklich noch einmal spannend wird.

Aufgrund des Themas rund um Erotik und Lust hätte ich mir in dieser Hinsicht mehr Drama, mehr Ausführlichkeit gewünscht. Was der Roman an Sinnlichkeit (leider) nicht bietet, das bringt er an menschlichen Abgründen mit. Immerhin. Ist aber auch eine Spezialität Suters. Wem das besonders gefällt, dem sind auch „Lila, lila“ oder „Die dunkle Seite des Mondes“ zu empfehlen.

Als nächstes verlasse ich übrigens den Schweizer Raum und nehme mir einen der vielen amerikanischen Klassiker auf der Liste vor – „Der grosse Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald.

Habt ihr andere Empfehlungen von Martin Suter? Was sind eure Meinungen zu „Der Koch“? Besser, schlechter oder gar nicht vergleichbar mit seinen anderen Werken?

2 von 150 Büchern ✓

3. F.Scott Fitzgerald – Der grosse Gatsby (1925)

Foto: Tamara Draisbach

Ausgabe: F. Scott Fitzgerald: Der grosse Gatsby. Berlin 2017.

Anzahl der Seiten: 203

Kurze Zusammenfassung (Achtung Spoiler):

Der junge Börsenhändler Nick Carraway zieht nach Long Island in ein kleines Häuschen und wird damit unwissend zum Nachbar des geheimnisvollen Mr.Gatsby, der in seinem schlossähnlichen Wohnsitz ausschweifende Partys für die New Yorker High Society schmeißt, von dem aber niemand weiß, was er eigentlich macht oder wer er ist. Außerdem wohnt Carraway quasi gegenüber (mit einem Stück Meer dazwischen) von seiner Cousine Daisy und ihrem steinreichen aber eher unkultivierten Ehemann Tom Buchanan.

Nick erhält eines Tages eine Einladung zu einer von Gatsbys berühmten Partys und macht tatsächlich dort auch die Bekanntschaft desselben. Er ist fasziniert von diesem Mr.Gatsby und zwischen den beiden entsteht eine Art Freundschaft. Schließlich bittet Gatsby Nick, Daisy zu sich nach Hause einzuladen und somit ein Treffen zwischen den beiden zu arrangieren. Es stellt sich heraus, dass Gatsby und Daisy sich schon fünf Jahre zuvor kennen und lieben gelernt haben, ihre Romanze aber durch Gatsbys Einsatz im Krieg und schließlich Daisys Hochzeit beendet wurde. Das Treffen wird arrangiert, die beiden sehen sich zum ersten Mal wieder und Gatsby ist nach wie vor unsterblich verliebt. Er möchte, dass Daisy ihren Mann verlässt (der sie übrigens mit der Frau eines Automechanikers, Myrtle Wilson, betrügt).

Doch Daisy bringt es nicht übers Herz, sich von Tom zu trennen, als es zum finalen Gespräch zwischen den Partien kommt. Sie und Gatsby fahren, beide sehr aufgebracht von New York, wo die Gruppe sich im Plaza Hotel eingemietet hat, zurück nach Long Island. Da stürmt die Geliebte von Tom auf den Wagen zu, die sich nach einem gewaltsamen Streit mit ihrem Mann in dessen Arme retten will und glaubt, es sei sein Wagen. Wenig später liegt sie überfahren auf der Straße. Dieses Unglück entdecken bald auch Nick, Tom und Jordan, eine Freundin Daisys, die ebenfalls auf dem Rückweg nach Long Island sind. Der Ehemann der Verstorbenen, außer sich und in tiefem Schmerz, erfährt von einem Zeugen, dass es ein gelber Wagen war, der seine Frau getötet hat und Tom erklärt ihm, dass dieser Wagen nur Mr. Gatsby gehören könne.

Zurück in Long Island ziehen sich Tom und Daisy in ihr Haus zurück und Gatsby erzählt Nick, was tatsächlich geschehen war, nämlich, dass es Daisy war, die am Steuer saß. Am Tag darauf hofft Gatsby verzweifelt auf einen Anruf Daisys. Da taucht der auf Rache sinnende Ehemann der verstorbenen Myrtle auf und erschießt ihn. Zu Gatsbys Beerdigung lässt sich keiner der vielen Partygäste und Geschäftskontakte und auch sonst niemand außer Nick, Gatsbys Vater und einem weiteren Freund blicken. Daisy und Tom verlassen ihre Residenz, ohne ein weiteres Wort oder eine Beileidsbekundung.

Okay, es ist doch eine eher längere Zusammenfassung. Dabei habe ich schon mehrere Punkte vernachlässigt, wie Gatsbys dubiose Geschäfte, seine Hintergrundgeschichte, Nicks Beziehung zu Jordan und die Darstellungen der Roaring Twenties in New York mit all ihren Ausschweifungen. Aber sehr grob gesagt, ist das die Handlung.

Leseeindrücke:

Musik wehte in den Nächten dieses Sommers vom Haus meines Nachbarn herüber. Wie Nachtfalter schwärmten Männer und Mädchen bei Sekt und Getuschel und Sternenlicht in seinen blauen Gärten umher.

Fitzgerald: Der grosse Gatsby. S.48.

Erstmal will ich sagen – wie schön ist eigentlich die Umschlaggestaltung der Insel-Taschenbuchausgabe (siehe Foto)?! 

Ich vermute, fast jedem hier ist die Verfilmung von 2013 mit Leonardo DiCaprio als Mr. Jay Gatsby und Tobey Maguire als Nick Carraway eher ein Begriff als das Buch selbst. Mir ging es jedenfalls so. Und es war ein Grund für mich das Buch zu lesen, denn ich bin immer neugierig inwieweit Film und Romanvorlage sich ähneln oder unterscheiden. Beim Lesen hatte ich ehrlich gesagt immer die Figuren aus der Verfilmung im Kopf und nach dem Lesen habe ich den Film nochmal geschaut. Ich finde, der Film setzt sehr vieles wunderbar um, was das Buch vorgibt. Im Übrigen, das hab ich auch erst herausgefunden, gibt es noch vier weitere Verfilmungen: Zum Beispiel von 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow oder von 2000 mit Paul Rudd als Nick Carraway. Die allererste Verfilmung von 1926, ein Jahr nach Erscheinen des Romans ist ein Stummfilm, der als verschollen gilt und nur noch in Form eines kurzen Trailers anzusehen ist. Hier mal alle Trailer oder Fragmente:

1926

1974

2013

Aber nun zum Roman selbst. Ich war leider wie gesagt, schon voreingenommen, als ich ihn gelesen habe. Schließlich hatte ich ja Handlung und Ausgang der Erzählung schon im Kopf. Trotzdem war das Lesen nicht langweilig. Die Erzählung hat sehr viele humorvolle Momente und der Erzähler Nick Carraway ist absolut sympathisch. Von dessen Persönlichkeit bekommt man in dem Roman wesentlich mehr mit, als im Film, obwohl ich finde, dass Tobey Maguire die Rolle sehr gut ausgefüllt hat.

Bemerkenswert an „Der grosse Gatsby“ ist sicher auch seine Zeitlosigkeit, obwohl er sich ja auf eine spezielle Ära bezieht. Ich denke, er würde sich leicht in die heutige Zeit übertragen lassen. Tom Buchanan ist für mich der Prototyp des einfältigen, vor Selbstherrlichkeit strotzenden Sportlers, wie er uns in jedem Highschoolfilm in Form des umschwärmten Footballstars begegnet. Daisy wäre in dieser Konsequenz das beliebte Mädchen aus gutem Elternhaus und Gatsby der Typ mit dem riesigen Haus, der ständig Hauspartys für die ganze Schule schmeißt und von dem keiner weiß, wo eigentlich dessen Eltern sind. Schon klar, ich habe viel zu viele Highschoolfilme gesehen. Aber der Vergleich kam mir beim Lesen häufig in den Sinn.

Vielleicht liegt es daran, dass die Charaktere so überaus jugendlich, verantwortungslos und unvernünftig wirken. Allen voran Tom und Daisy. Durch ihre erhöhte gesellschaftliche Stellung haben sie keinen Bezug zur Realität der hart arbeitenden Menschen in der aufblühenden Großstadt New York, sie ziehen sich auf ihr enormes Anwesen auf der Insel Long Island zurück und vermeiden es, sich mit wirklichen Problemen zu befassen. Jay Gatsby dagegen, der ja nicht reich geboren ist, sondern sich seinen Besitz und seine Stellung erarbeitet hat, ist ebensowenig bodenständig, sondern ein Idealist und ein Träumer, der seinen Lebensinhalt auf eine Jugendromanze stützt und in der Vergangenheit lebt. Die einzigen „erwachsenen“ Figuren sind Nick und Jordan, die allerdings zur eigentlichen Handlung kaum etwas beitragen, außer ihrer Anwesenheit und Beobachtungsgabe.

Ich habe häufiger gelesen, dass die Figur des Nick Carraway dem Autor selbst nachempfunden ist und der Film legt dies mit der Neuinterpretation des Charakters als Schriftsteller ebenfalls nahe. Der Wikipediaartikel zur Biografie F. Scott Fitzgeralds vermittelt hingegen ein anderes Bild, als das des zurückhaltenden tugendhaften Beobachters, der nur zweimal in seinem Leben betrunken war. Man erfährt hier vielmehr, dass der Autor und seine Frau den exzessiven ausschweifenden Lebensstil der zwanziger Jahre, wie er in der Geschichte porträtiert wird, voll verkörpert haben. Fitzgerald litt an Alkoholismus und der ausufernde Lebensstil führte ihn und seine Frau, trotz großer Verkaufserfolge seiner Bücher, in finanzielle Schulden. Es fragt sich also, ob Fitzgerald die abwehrende Haltung, die Nick Carraway gegenüber dem Lebensgefühl der Zwanziger hegt, wirklich teilte.

Unabhängig davon ist der Roman eine unterhaltsame und spannende Lektüre, die sich auch lohnt, wenn man den Film schon kennt.

Und zu guter Letzt hier noch zwei Rezepte für Gin Rickey und Mint Julep, falls ihr eine Party like Gatsby schmeissen oder beim Film schauen ein Trinkspiel spielen wollt:

https://www.kitchenstories.com/de/rezepte/gin-rickey-de

https://www.gutekueche.at/bourbon-mint-julep-cocktail-rezept-17966

Von der Metropole New York und den wilden Partynächten in Gatsbys Schloss geht es nun ins rurale Andalusien mit Paulo Coelho und seinem „Alchimisten“.

Was findet ihr besser, Film oder Buch? Findet ihr die Rollen passend besetzt? Kennt ihr andere Literaturverfilmungen, die man gesehen haben sollte?

3 von 150 Büchern ✓

1. Max Frisch – Homo Faber (1957)

Foto: Tamara Draisbach

Ausgabe: Max Frisch: Homo Faber. Frankfurt am Main, 1957 (81. Auflage).

Anzahl der Seiten: 198

Warum ich dieses Buch lesen wollte:

Ich gehöre zu den wenigen, die „Homo Faber“ nicht in der Schule behandelt haben. Bei uns gab es damals „Andorra“ von Max Frisch zu lesen (was ich damals auch schon sehr spannend fand). Kürzlich lieh mir ein Freund seine Schullektüren aus, worunter sich auch „Homo Faber“ befand. Ich war ziemlich neugierig, wieso dieses Buch so häufig als Schullektüre ausgewählt wird. Alles was ich wusste, war, dass es wohl um einen Vater ging, der sich unwissentlich in seine Tochter verliebt.

Leseeindrücke:

Im Grunde stimmt das auch, das kann ich nach dem Lesen nun auch so unterschreiben. Warum das Buch als Schullektüre trotz dieses äußerst pikanten Sachverhalts so dankbar ist, ist mir ebenfalls klar geworden. So viele Themen, die sich fantastisch zu einer weiterführenden Diskussion anbieten und zwar egal, in welcher Zeit man lebt und liest, werden hier aufgegriffen: Technik vs. Natur, Rationalität vs. Emotionen, Mann vs. Frau, Leben und Jugend vs. Alter, Verfall und Tod, Zufall vs. Schicksal…

Da gibt es Walter Faber, den homo faber – was tatsächlich soviel wie „der schaffende Mensch“ heißt, der sich als rationaler, logisch denkender Mensch versteht, mit Dingen wie Kunst und Mystik nicht viel anfangen kann und sich ungern mit Gefühlen aufhält. Daher verdrängt er auch die wirklich bedeutenden Ereignisse in seinem Leben, stößt Menschen von sich und versteht nicht, wie alles so kommen konnte, wie es kam.

Meistens tat er mir ziemlich leid, durchschaut man doch beim Lesen sofort, dass der Mann sich mit seiner technikorientierten Weltanschauung und seiner sachlichen Art zu denken doch nur selbst etwas vormacht. Er verliert die meisten Menschen, die ihm im Leben etwas bedeutet haben – erst die große Liebe, Hanna; den besten Freund, der mit besagter großer Liebe verheiratet war (und das erfährt Walter Faber nach etlichen Jahren mal so nebenbei) und mehr oder weniger seine Tochter mit großgezogen hat – Sabeth/Elsbeth/Elisabeth, die Walter tragischerweise ebenfalls verliert, kaum dass er sie lieben gelernt hat, kaum dass er weiß, dass sie seine Tochter ist – und schließlich endet er selbst mit Magenkrebs im Krankenhaus. Wie das ausgeht erfährt man nicht mehr.

Ich wagte nicht, in ihre Augen zu blicken – so oft ich auch nur eine Sekunde lang (länger konnte ich nicht) daran dachte, daß ich Sabeth umarmt habe, beziehungsweise, daß Hanna, die vor mir sitzt, ihre Mutter ist, die Mutter meiner Geliebten, die selbst meine Geliebte ist. Ich weiß nicht, was ich redete.

Frisch: Homo Faber. S.141

Da schaut er zurück auf ein Leben voller Was-wäre-wenns, irgendwie verpfuscht, irgendwie um das Leben als Vater betrogen und um das Leben mit der einen großen Liebe, der Mutter seines Kindes, Hanna. Und was hat er tatsächlich im Leben gemacht? Ist herumgereist und hat Kraftwerke errichtet, hat sich ein junges Model zur Geliebten genommen, die ihm eigentlich ja doch nur lästig ist. Eine ziemlich tragische Geschichte also.

Aber der nüchterne Erzählstil führt den Leser sanft durch diese eigentlich sehr traurige Geschichte hindurch. Durch den parataktischen Satzbau sowie die vielen aneinandergereihten Assoziationen und Gedanken ist der Bericht, der eigentlich keiner ist, sehr gut und schnell zu lesen. Auch wenn man zugegebenermaßen erstmal über Wörter wie Super-Constellation, Zopiloten, Studebaker und Hermes-Baby stolpert, weil das dem Leser knapp 60 Jahre später keine Begriffe mehr sind. Schön auch das Reisekolorit, die knappen Beschreibungen der Umgebung und der Sinneseindrücke, die einem als Leser sofort eine Vorstellung vermitteln und alles irgendwie erfahrbar machen. Manchmal fast romantisch – und das von einem Mann, dem ja eigentlich jede Romantik und Gefühlsduselei zuwider sind.

Das Thema Kunst zieht sich durch den ganzen Bericht und löst bei mir, die Kunstgeschichte im Nebenfach studiert hat, einige Momente des Wiedererkennens aus. Allein die Italienrundreise, bei der Walter und Sabeth kein bedeutendes Kunstwerk auslassen, steht schon lange auf meiner To-Do-Liste. So konnte ich zumindest beim Lesen daran teilnehmen. Einmal berichtet Faber auch, Hanna habe bei Professor Wölfflin studiert – den gab es tatsächlich, er war ein Schweizer Kunsthistoriker, der einem im ersten Semester des Kunstgeschichtsstudiums bereits nahe gelegt wird. Der Autor, der selbst Architektur studiert hat, lässt einiges davon in diesem Werk durchblicken.

Für mich war „Homo Faber“ ein positives Leseerlebnis, niemals zäh oder langwierig, auch wenn teilweise etwas verwirrend was Ort- und Zeitangaben angeht. Zwischendrin möchte man den Protagonist warnen und kann doch nur schockiert der Folge der Ereignisse zusehen (zu-lesen?). Aber es war nicht so, dass ich deshalb das Buch aus der Hand legen musste. Ich muss außerdem sagen, dass mir Frischs assoziativer Schreibstil sehr gut gefällt.

Auf meiner Leseliste befindet sich noch ein weiteres Werk von ihm – „Mein Name sei Gantenbein“. Darin hat er angeblich einen der Charaktere nach seiner Exfrau Ingeborg Bachmann gestaltet, welche davon wohl tief getroffen wurde. Ich bin schon sehr gespannt darauf, allerdings lese ich jetzt erst einmal ein anderes Werk von einem meiner Schweizer Lieblingsautoren (der andere ist Friedrich Dürrenmatt) – Martin Suter.

Was haltet ihr von dem Werk? Was war euer Eindruck beim Lesen? Was ist euer Lieblingswerk von Max Frisch?

1 von 150 Büchern ✓

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